Nije votka rakija

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Der Silvester eignet sich für hochgradig Geistiges – einerseits an Vergangenheits- und Zukunftsreflexionen, andererseits für mit Salzmandeln Begleitetes. Letzteres ist in einem bestimmten Sinn sehr konservativ. Man erwartet von einem Südslawen eine Neigung zur Šljivovica, zum Zwetschgen-Schnaps also, mehr als zur Lozovača, dem Trauben-Schnaps. Umgekehrt präferieren Südfranzosen, Italiener und Griechen Treberschnäpse, ob mit oder ohne Anis versetzt, und, um den Kreis zu schließen, habe ich im Schwarzwald und in der Schweiz durchaus Zwetschgenwasser entdeckt, aber wenn ich die Einheimischen vor die Wahl stelle, werden sie das Quittenwasser vom Bauern nebenan trinken. Auch keinen Vodka, auch keinen Arak.

“Es ist nicht Vodka die Rakija” spiele und singe ich gelegentlich – aber wenn, dann gern – seit ich etwa zwanzig war. Sieben Akkorde, einfaches Fingerstyle. Der jugoslawische Song war damals neu, zwar nicht das Natürlichste, was ein durch-und-durch griechischer Student der Nationalen Capodistria Universität in Athen zu singen pflegte, aber im Text – er verlässt die russische Geliebte; er stellt sich vor, was sie gerade macht; er kann nicht über den Gedanken hinweg; selbst die Briefmarke mit Lenins Bildnis auf dem Abschiedsbrief macht ihn fertig – schwingt ein für mich doch natürlicher Gedanke mit: “Der Südländer in mir, die Rakija also, lässt sich nicht ändern”.

Da Beides, “rakija” und “votka bulk terms, Massenbegriffe sind, ohne über- oder untergeordnet zu sein (Ersteres kann im Serbokroatischen auch als Oberbegriff aller Destillate verstanden werden, bloß aller einheimischen, was den Vodka sowieso ausschließen würde), ist zunächst für den Nichtmuttersprachler schwer zu unterscheiden, welches das von Momčilo Bajagić intendierte Prädikativ und welches das Satzsubjekt ist. Anders wäre es mit einem Gattungsbegriff, etwa: “harmlos”. Ob mit “Die Rakija ist nicht harmlos” oder mit “Nicht harmlos ist die Rakija” weiß der Hörer genau, welcher Terminus Satzsubjekt und welcher das Prädikativ ist. Aber in “Nije votka rakija” stehen Rakija und Vodka nebeneinander als Spezies. Dass Rakija kein Vodka ist, ist also keine Gegenprädikation, sondern eine Ungleichung. So verstanden, sollte die Syntax egal sein. Dass Rakija nicht Vodka sei, ist gleichbedeutend damit, dass Vodka nicht Rakija sei.

Meinste! Wenn Bajaga sagt: “Nije votka rakija”, dann meint er wohl, er, als per analogiam von der Sonne Šumadijas (eigentlich Slavoniens) gezuckerte Rakija, sei zu wenig Vodka, um im Norden zu bleiben. Würde er stattdessen singen: “Nije rakija votka”, dann würde er meinen, nicht er sei zu sehr Balkanese, sondern die Perle, die er zurücklässt, sei zu sehr Vodka, um in den Süden mitzufahren. Der Song hätte einen völlig anderen Sinn, geschweige denn Probleme mit dem Reim. Denn, was reimt sich mit “votka“? Egal! (Wie man sieht hat’s bereits im Yugorock gegolten: “A bottle of vodka’s still lodged in my head and some blonde gave me nightmares, think that she’s still in my bed as I dream about movies they won’t make of me when I’m dead…”)

Jedenfalls können die Terme einer Ungleichung zum Zweck der Hervorhebung vertauscht werden. Die Ungleichung behält ihre Bedeutung bei, aberdas Augenmerk des Sprechers gilt dem Satzsubjekt. Es besteht hier eine bestimmte Ähnlichkeit mit der Arithmetik an Waldorfschulen. Nicht “3+2=5”, sondern “5=3+2” soll die didaktisch zuträgliche Formel sein. Es ist nicht trivial, so zu denken. Das Gleichheitszeichen hat in diesen Ausdrücken jeweils eine andere Bedeutung. Im ersten Fall ist es eine (gesättigte) Funktion, die ausgedrückt wird, im zweiten eine Relation. Die zwischen Nord und Süd ist auch eine Relation – eine dysfunktionale. Aber das führt jetzt zu weit.

Ähnlich wie bei den Summen, die fünf ergeben, ist der Ausdruck: “Einen Beerenschnapps” eine Funktion, deren Argumente Zwetschgen oder Trauben sein können und der Wert “Rakija” sein muss. Eine Relation dagegen ist der Ausdruck: “Ob Šljivovica, oder Lozovača, Hauptsache Beeren…”

Der Leser wird sich fragen, was ich gerade trinke. Na ja: anders genannten Lozovača. Am Ende des Tages, auch des Jahres, bleibe ich ein Grieche. Dabei: die Šljivovica ist seit gestern aus.

Einen guten Rutsch ins neue Jahr, liebe Leserin, lieber Leser, egal was Sie trinken und aus welcher Himmelsrichtung Sie kommen. Später wird das mit der Himmelsrichtung wieder schwer und wer aus dem Norden oder aus dem Süden kommt, wird sich einem Test unterziehen müssen, und, wenn er in Quarantäne bleiben muss, werden “nicht mal alle Briefträger Russlands diesen Kummer austragen können”.

Ich weiß nicht, ob die Einschränkungen der Mobilität uns im Jahr 2021 begleiten werden. Aber das Jahr 2020 war fast wie eine Zeitreise dreieinhalb Jahrzehnte zurück.


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The New Year’s Eve goes together with high spirits – the ones you demonstrate with your attitude as well as the others which you accompany with snacks. The latter are in a particular sense conservative. Most Southern Slavs do prefer the šljivovica, a plum spirit, to lozovača, made of grapes, which the Southern French, Italians and Greeks, whether with or without anis, prefer to quince spirit, a very popular one in Switzerland and the Black Forest. This closes the circle of conservatism and this circle has to close and reopen since the clip above is one of a Balkan rock musician named Momčilo Bajagić.

I’ve played and sung in different occasions “Rakiya isn’t vodka” since I was twenty. Seven accords, simple finger style. It wasn’t the most common thing in the world to sing Yugorock if you were an Athenian and a student at the National Capodistria University, but it was a new song back then, most of my mates had no idea that after the northern borders there was a culture and a vivid one, and the text urges – he leaves a Russian girl back in Russia; he can’t help wondering what she’s doing now; even the stamp with Lenin’s face on the envelope of his farewell note is hard to take… – “The southerner in me, rakiya so to say, won’t be a vodka”.

Rakija” and “votka are bulk terms. Both are specific. In Serbocroatian, you can use “rakija” as a generic term of every spirit of 40% vol and above, but here this is not the case. Vodka – definitely a true counter-predication – is not a kind of rakiya. Further, the fact that rakiya is not vodka is definitely a true inequation, and by this alone – another true inequation – vodka is not rakiya.

For a non native speaker it’s not clear what the predicative and what the grammatical subject is in “Nije votka rakija“. I’d have no difficulties if the one term were an adjective and thus unambiguously the generic one. E.g.: “harmless”. But here the point is not whether vodka or rakiya belong to the set of harmful things. The point is that the one is not the other. You may think that it’s unimportant how you express this thought, whether by saying “Vodka is not rakiya” or “Rakiya is not vodka”.

But nope! It’s not unimportant! When Bajaga says: “Nije votka rakija“, what he means per analogiam, is that he, a person spoiled by the sun and landscape of Šumadija (in fact Slavonia but let’s leave the details out) is too much rakiya to pretend to be vodka. (That was ages before the lyrics “a bottle of vodka’s still lodged in my head and some blonde gave me nightmares, think that she’s still in my bed as I dream about movies they won’t make of me when I’m dead…”)

If he had sung instead: “Nije rakija votka“, then he wouldn’t have meant that he’s too much of a Balkan guy. It would be the lady instead who would have been too much of a Russian to follow him to Belgrade. This would have entailed even greater problems! I mean, find a word that rhymes with “vodka”…

As one sees, the terms of an inequation can be interchanged to achieve an emphasis. It’s like elementary arithmetic in Waldorf-Steiner schools: Never write: “3+2=5”. Write: “5=3+2” instead. You might say that the two expressions are trivially equivalent. They’re not! In the first case the equality sign equates a (saturated) function to its value. In the second it’s a relation, not a function that is expressed. (Probably you know from your experience that relations are often dysfunctional but this has nothing to do with what I just said.)

You may ask yourself what I’m drinking. Well, in essence, a lozovača. In Greek we don’t call it thus but the essence is what counts. At the end of the day and of the year I’m Greek alright. Plus, I have no šljivovica anymore and didn’t go to the supermarket.

I wish my readers a happy new year independently of what they drink and where they come from. After the beginning of the new year things will worsen. Those who go from here to there will have to make a test and if they stay in quarantine “not even all the postmen of Russia will be able to carry the weight”.

2020 was a year that, in terms of mobility, came right out of the 80s. 2021 will not be of much difference. Let’s take this positively. Time travel can be rejuvenating, I suppose.

Of ordinary and of formal things – and of extraordinary as well

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Als ich noch dieses Erfurter Seminar zu Anwendungen der nichtklassischen Logik in der Religionsphilosophie anbot, machte ich in den ersten Wochen stets einen Logik-Crash-Kurs (die Beweise schnelligkeitshalber mit Beths Baumkalkül bzw. à la Hodges), in dem ich, selbst wenn die LV in deutscher Sprache angeboten war (manchmal war das sowieso eine von Asiaten besuchte, englischsprachige Lehrveranstaltung) kurz darauf hinwies, dass das Englische ein natürliches Verständnis der Unterscheidung zwischen freien und gebundenen Variablen ermöglicht: “Some” gibt die Grundintuition für die gebundenen, “any” für die freien Variablen. Soviel zu Englisch als didaktischer Metasprache der Prädikatenlogik. Neuerdings habe ich an folgender Unterscheidung des Englischen eine gewisse Freude: Wenn die Besatzung der Pequod als mereologische Summe jagt (d.h. jeder in Ahabs Crew sucht den Wal), dann hat das britische Englisch den Ausdruck parat: “The crew chase the whale”. Aber wenn es nur das Ziel der Gruppe als Gruppe ist, den Wal zu fangen – manche in der Gruppe haben aber aktiv nichts damit zu tun, sondern nur kochen, putzen usw. – wird die Besatzung eher als Menge denn als mereologische Summe kenntlich gemacht und zwar folgendermaßen: “The crew chases the whale” Der Numerus des Verbs ist bezeichnend.

Die natürlichen Sprachen können offenbar Elemente des Instrumentariums von formalen Sprachen ausdrücken. Englisch ist dabei ein Königsweg zum Logischen. Nun will ich nicht wie ein Wittgenstein-Enthusiast klingen oder die Geltung der Logik relativierten, aber ich kann mir nicht vorstellen, wie wir sonst formale Begriffe “adäquat” nennen würden, wenn wir sie nicht aus unserer informellen Sprache kennten. Zu was wären die formalen Begriffe etwa adäquat?

Es ist nicht die Freude am Advent, die den Dezember dezembermäßig macht, sondern der Dezember, der Freude am Advent haben lässt. Heute dachte ich an ein Zitat – vermutlich ist es ein Zitat… – das ich von einem griechischen Kirchenvater haben müsste: Nicht das Trachten nach etwas macht es etwa wahr, sondern es ist umgekehrt die Wahrheit, die uns nach ihr trachten lässt. Von wem ist das? Der Name ist weg. Ich muss wohl im TLG recherchieren.

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In an English-speaking instruction in predicate logic, it is a common place to say: “You can understand bounded variables as the pronoun “some” and free variables as the pronoun “any””. If this is an old advantage of English as the didactic metalanguage of predicate logic, I recently found a new one: the difference between captain Ahab’s crew as a mereological sum (i.e. as a grammatical subject of a general statement) from the same crew in the sense of a set (i.e. as a grammatical subject of a singular statement) is expressed by the numerus of the verb. Cf. “The crew chase the whale” (homogeneous mereological sum – every individual in the group chases the whale) vs “The crew chases the whale” (set – even if some do nothing, the arbitrarily constructed set has a property as a whole).

Ordinary language can express formal notions for which prima facie one would need a formal device. Now, English is probably a predominant case and I don’t wish to sound relativistic or late Wittgensteinian, but unless it were so, I cannot see else how we would have the intuition that a formal notion is adequate.

It’s not the Christmassy atmosphere that makes December; it’s December that makes the Christmassy atmosphere. There is this citation in my mind today: “It is not the quest that makes its object true. It is truth itself that makes you seek it”. By some Greek father probably but I can’t remember by whom. A good reason to start TLG and make a full-text search.

A language’s range and rage

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Ausnahmsweise fange ich – sehr klassisch heute, mitfühlend mit meinen beiden Protegés, die in ihren Ferien eine wohlstrukturierte Fünf-Kapitel-Arbeit schreiben lernen müssen – mit der These an: Orientalischer Sprachgebrauch hat unseren Sprachgebrauch im Westen Jahrtausende lang geprägt, aber das hört langsam auf. Damit wird die Sprache plump. Nicht nur trocken. Trockenheit ist nicht das Problem. Plump.

Orientalische Stilmittel im Westen sind bis zum heutigen Tag und größtenteils auf den Einfluss des Neuen Testaments zurückzuführen. Man macht eine Synekdoche mit dem lateinischen und dem hebräischen Namen des Apostels der Nationen, Saulus und Paulus, als wären diese Namen Träger des einen oder des anderen Glaubens; Berlin Tegel, um einen jüngst erschienenen Beitrag im Feuilleton der Süddeutschen zu erwähnen, ist ein Lazarus – will heißen wiederauferstanden, nachdem der Großflughafen Ewigkeiten auf sich warten ließ; Heuchler sind Gräber: außen weiß und geputzt, innen voller Verwesung. Überhaupt scheint Jesus ein Talent für aggressive Metaphorik und rhetorische Übertreibung gehabt zu haben.

Wenn ich Stilmittel wie Übertreibung und Metapher orientalisch nenne, dann will ich sie nicht ausschließlich auf das Griechischschreiben von bilingualen Syrern wie Johannes, Matthäus und Markus zurückführen. Noch vor dem Neuen Testament pflegten das Griechische und das Lateinische Übertreibungen und Metaphern. Wenn die hohen Erwartungen enttäuscht wurden, hieß es schon vor Christus: “Der Berg ging schwanger – geboren wurde eine Maus”. Orientalisch war die klassische Antike schon. Das Neue Testament ist aber sehr voll der Ironie und der Übertreibung.

Zum Beispiel Mt 8.22 & Lk 9.60 “Lass die Toten ihre Toten begraben” (im Neugriechischen heißt es übrigens immer noch “der Tote” in der Bedeutung: “der Untergegangene”; Paul Erdös nannte “Tote” alle seine Bekannten, die den aktiven Mathematikbetrieb an der Uni aufgegeben hatten).

Oder zum Beispiel frei nach Mt 23.24 “Guck einer an: Die Mücke kann er nicht im Rachen haben, das Kamel schluckt er aber so herunter” (über Leute, die ihre Prioritäten falsch setzen).

Ich verfolge die Debatten nach der Corona-Zeit: im Deutschen Bundestag, im Schweizerischen Nationalrat. Meistens eine kühle Technokratensprache. Das klingt beruhigend und nach Fortschritt in jemandes Ohren, der seine ersten Wahrnehmungen der politischen Sprache im Kalten Krieg machte, welcher wiederum in Sachen Sprache ja hitzig war.

Andererseits lässt die vorsichtige Sprache kein größeres Engagement hervorschimmern; kein Risiko, ungerecht und falsch zu sein statt nur falsch. Ich weiß auch als Blogger, dass Vorsicht und lauwarmes Gemüt weniger Feinde und eventuell sogar mehr Freunde macht als Polarisieren. Ich versuche mit der gesamten Ehrlichkeit meines Westlerseins, ein Langweiler zu sein.

Ob mir das gelingt, ist eine andere Sache. Denn das Neue Testament ist fast (fast…) meine Muttersprache.

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Summertime, cotton’s high, fish are jumping and students trying for the first time in their lives to write a structured text with thesis, history of the debate, method, evidence and conclusion.

For a change, let me also start in a classical manner: with the thesis: Oriental language has influenced our style in the West in millennia of world history. However, slowly but steadily language becomes blunt. Occidental so to say. By this I don’t mean precise or dry. I mean blunt.

This appears to be a long process. Biblical exaggeration and metaphor are not once and for all banished from media today. In the German ans Swiss press, which I happen to read on a regular basis (I read rather rarely US and British newspapers, only the headlines of the Greek and the French, and I am completely an ignorant of the rest) I do find metonymies of the Sauls (and the souls) who become Pauls; allegories of the old airport of Berlin as a resurrected Lazarus after the new airport has been unable to operate for ages; metaphors about the hypocrites as graves, clean and tidy from the outside but full of decay and ptomaine inside. These are expressions one can still use and hear or read in western media and if you want to make the case of Jesus as a mild comforter, you have the burden of proof of a rather unlikely claim.

These and like expressions I call oriental. They should not be restricted to the influence of bilingual Syrian writers like Mark, Mathew and John to the Greek style of late antiquity and subsequently to modern languages. Greek and Latin, you see, have been “oriental” long before they adapted Syrian style. E.g. when their expectations were disappointed, Greeks and Romans spoke of the mountain’s pregnancy with a mouse. But the New Testament is a locus classicus for rhetorical tropes:

Cf. Mt 8.22 & Lk 9.60 “Let the dead bury the dead” (in Modern Greek one still calls losers: “the dead”; infamously, Paul Erdös called “dead” all those who had given up maths at the university for some other job).

Following the Covid-19 debates in the two or three parliaments whose decisions have a direct impact in my life I must state that the language is a sober technocrats idiom, one that sounds reliable in someone’s ears whose first experiences of political language were in the Cold War – NB a hot one in terms of rhetoric.

At the same time, distanced language makes the speaker sound indifferent. Without a deeper engagement. Speakers who take the risk to be false do fulfill a minimum of rationality alright. But the ones who demand you to invest emotions along with your thoughts, are speakers who take the risk to be false and unjust. As a blogger I do know that I make less enemies and even more friends when I avoid polarizing. And I do try to be boring.

The reason I do not succeed in being so? I suppose that comes from the fact that the New Testament is almost (I said almost) my mother tongue.

Le collectivisme

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Lasst die Statuen stehen. Diese Menschen, die sie abbilden, können wohl auch wegen einer Tugend bewundert werden. Sie werden doch auch etwas anderes gewesen sein als Sklavenhalter.

Im Gegensatz zur bildenden Kunst, die so oder so interpretiert werden kann, huldigt ein Text, eine Inschrift, die ich letzte Woche beim Spazieren ganz nahe beim Bahnhof Basel SBB entdeckte, dem Tribalismus und, als wäre das nicht genug, konkretisiert sie auch die künstlerische Botschaft so, dass ich z.B. (die Person im bestimmten Körper) genauso heilig bin, wie das Kollektivwesen, dem ich angehöre.

Ich bezweifle, dass es Wandalentrupps mit Gips in der Hand gäbe, die solche Inschriften übertünchen würden, wenn K.R. Poppers methodologischer Individualismus das vorherrschende Paradigma der Geschichtswissenschaft wäre. Denn unsere (offenbar austroliberale) Lehrerschaft würde dann nur den Menschen beibringen, über die historischen Quellen zu reflektieren statt herzufallen. Mehr nicht.

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People all over the world were attacking statues that, in their eyes, depict white suprematism when I discovered this inscription while strolling through downtown Basel.

Although the inscription oozes with tribalism – frankly, I don’t want to be respected in virtue of being Greek and those who would see me thus would not see me after all – obviously no one bothers to vandalise it. Not only because K.R. Popper’s methodological individualism is not the leading paradigm in historiography. Also because individualists, an Austroliberal kind of people, want to teach you how to reflect on historical sources rather than to destroy them. NB, even if the source in question is a text, which unlike a piece of art, makes the tribalist message explicit.

The piece of art, normally a depicted person, can, after all, be taken to be exposed due to beauty or – there must have been one – virtue.

Lingua franca gratia francorum

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Mit der Gutschein-Aktion “Support your locals” versucht ein Teil des Basler Einzelhandels, den lokalen Konsum anzuregen. Wohl verständlich, wenn man bedenkt, dass alles – aber wirklich alles – über die Grenze nach Frankreich oder Deutschland den halben Preis hat, ferner dass diese Grenze mit Tram, Velo oder auch zu Fuß einfach und schnell erreicht werden kann. Zwar bleiben die epidemiebedingten Ausreiseeinschränkungen vorerst, aber diese werden nicht ewig sein und in dieser kurzen historischen Parenthese geschlossener Handelsstaaten werden wohl ein paar mehr Gutscheine verkauft werden, die auch viel später werden eingesetzt werden können.

All das ist verständlich. Was jedoch unverständlich ist und an performativen Widerspruch grenzt, ist die Äußerung des Appells zur Bevorzugung des Lokalen in der globalen Sprache.

Der performative Widerspruch ist kein formaler Widerspruch. Um den Plakaten der Aktion einen Widerspruch herauszulesen, muss der Leser die stillschweigende Prämisse hineininterpretieren: “Die Aufforderung zum Shopping um die Ecke ist mit Lokalpatriotismus und somit mit Baslerdeutsch verwandt”.

Das ist nicht der Fall. Das globale Dorf ist ein Sammelsurium nicht aus lokalen Kleindörfern, sondern aus globalen Kleindörfern. Es ist eine homogene Welt. Die Vogelperspektive zeigt nichts anderes, als was man im Kleinen sieht.

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Currently, the Basel voucher is being propagated with the words “Support your locals”.

Considering that if you cross the border to France or Germany everything will cost half the price, this is understandable. Add the fact that the next French or German supermarket are only a walk, let alone a streetcar ride away from downtown Basel, you can see the problem for the retail trade of Northwest Switzerland.

Covid-19 made the borders close but this is a temporary exception. In this short parenthesis and revival of closed commercial states, some additional vouchers will be sold and they will be used much later. Advertising the advantages of a local voucher now is a good idea.

However, since the locals mostly speak German (some are bilinguals using French and German), it is a performative contradiction to use an English slogan for an action supposed to promote local retail trade.

Performative contradiction is not a formal contradiction. Formally you would have a contradiction if you see a tacit premise to the effect of: preferring local shops goes hand in hand with preferring local languages. Otherwise no.

Therefore, rather no. The global village does not consist of little local villages any more than it consists of little global villages. Which means that the world becomes more homogeneous. The big picture is what you can already see in the detail.

From Jacky to Obuasi

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Die Namensgebungen im Basler Zoo über die Jahrzehnte zeugen davon, dass die politische Korrektheit sich langsam auf die Eigennamen erstreckt. Würde der Gründer unseres Glaubens daher heute auferstehen, wäre er kein gräzisierter Jesus, sondern ein Jehoschua. Ich weiß nicht, ob mich das mehr anspräche.

Zu meinem Namen habe ich außerhalb Griechenlands einige Haltungen angetroffen. Da gibt es die ganz Politisch-korrekten: Erfahren sie, dass der Vokativ auf Neugriechisch “Stamati” lautet, sagen sie es auch so. Nett, aber dann müssten sie auch die restlichen Fälle anpassen, oder?

Dann gibt es die ohne Hintergedanken. Die allermeisten natürlich. Über die habe ich nichts zu sagen.

Und dann gibt es die bewusst Unkorrekten: Sie passen meinen Namen an das enklitische System ihrer Sprache an. Das tue ich übrigens im Griechischen auch. Es gibt für mich keine “Peters” und keine “Pauls”, sondern “Petri” und “Pavli”. Meine Ehefrau ist nicht “Ruth”, sondern “Ruθ” (sic). Da gab es also diese Serben, die mich mit dem Vokativ “Stamate” anredeten, und diese bayerischen Philosophen – Hans Burkhardt hatte damit begonnen – für die ich “da Stamatius” (wohlgemerkt –zius) bin.

Ich muss sagen, dass die Unkorrekten politisch vorzuziehen sind. Was ist denn angenehmer? Ausgesprochen fremdartig ausgesprochen zu sein aber trotzdem angenommen oder kein Fremder zu sein und deshalb angenommen?

Jesus heißt er.

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In the last decades naming animals shows – at least, this is the trend at the zoo of Basel in Switzerland – that political correctness starts to govern proper names. If the founder of our religion resurrected today, then the news would not be about a Hellenised Jesus but about a Jew called Yehoshua. In my ears not an attractive option.

I have experienced myself various attitudes towards my name out of Greece. There are those who are extra politically correct. Once they realise that the vocative in contemporary Greek is “Stamati”, they use it. Nice of them, but what about the remaining grammatical cases of the name?

Then you have the ones who would not guess that they have to adjust something: their language to my name or my name to their language. The vast majority, of course. I will not occupy myself with them.

Finally, there are those who would do just what I suggested last: adjust my name to their language: the openly incorrect ones. But frankly: those politically incorrect Serbs who would form the vocative “Stamate” just for the addressing to sound more Serbian; those politically incorrect Bavarians – Hans Burkhardt started this one up – who would say “Stamatsius” are not only those who remind me that for me myself, when I speak Greek, every Mary is called Maria and every Marc is called Markos. They are also the ones I prefer for reasons of politics. I mean, who prefers being emphatically alien but accepted in his otherness to being non-alien and accepted for being familiar?

His name was Jesus alright…

Constructing language sites

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Die Baustelle neben dem Haus, wo meine Mutter wohnt, in Südostattika, ist eine Quelle von zukünftiger Missstimmung; insbesondere, wenn zum wiederholten Mal ein für Glyfada typischer Nachkriegsbau durch eine Geschmacklosigkeit mit parabolischen Balkonen und weißen Türen ersetzt wird. Den Grundriss habe ich nicht gesehen und ich kann keine Fragen diesbezüglich beantworten. Den Baustellenlärm allerdings, was die meisten als die größte Unannehmlichkeit ansehen würden, habe ich neulich als einen großen Gewinn angesehen. Griechischer Baulärm führt vor Augen, dass es keine Sprachspiele gibt, die im Sinne Wittgensteins “primitiv” genannt werden können, bzw. dass solche im Grunde sehr ausgeklügelte Sprachspiele sind.

Aber zunächst zum pragmatischen Hintergrund: Niedrige Lohnkosten führten in Griechenland zu Baustellen, die vollends in situ entstehen, ohne Fertigelemente. Unausweichlich hat man dann viele Bauarbeiter, die Planken und Balken hin- und her platzieren und sich ständig abstimmen, wie sie das tun sollen. Die Kommunikation erfolgt nun zu zweit oder zu dritt. Der Rest ist mit anderen Arbeiten ebenfalls zu zweit oder zu dritt beschäftigt. Der natürliche Weg, nur die für die eigenen Zwecke relevanten Mitarbeiter anzusprechen, ist durch den Namen. Vor jeder Anweisung, Aufforderung usw. muss man “Stephane” sagen, wenn Stephanos angesprochen wird, Nikos ist dann nicht angesprochen. Übrigens trägt der Vokativ der griechischen Maskulina zu mehr Flexibilität in der Satzbildung bei. Man muss den Namen gar nicht voranstellen, wie das im Deutschen bei Anreden üblich ist. Man kann ihn überall im Satz einbauen, denn der Hörer sieht sofort am fehlenden -s am Ende oder an der Endung -e von langen Namen der zweiten Deklination sofort ein: “Aha, Vokativ, keine Nennung”. Z.B. “Pass auf, dass Nikos hindurchkommt, Stephane, festhauen!” Da Stephanos weiß, dass die Endung -e die Deutung ausschließt, jemand anders sollte ihn festhauen, versteht er das als Aufforderung, Nikos passieren zu lassen und festzunageln.

Das aber nur am Rande.

Jeder Philosophiestudent kennt das von Wittgenstein zu Beginn der Philosophischen Untersuchungen eingeführte, “primitive” Sprachspiel: Zwei Bauarbeiter – mir gefällt der Gedanke, dass sie am Haus an der Parkgasse 18 in Wien arbeiten – kommunizieren monolektisch, mit nur einem Wort: “Platte!” Der Sprecher brauche eine, der Hörer reicht diese.

Das ist wohlgemerkt nicht die Definition von “Platte” im Lexikon. Das von Wittgenstein beschriebe Sprachspiel enthält nur einen impliziten Befehl und einen Namen, der als Akkusativ fungiert. “Platte” ist im Lexikon keine Aufforderung.

Es liegt auf der Hand: Die Einfachheit von Wittgensteins Sprachspiel ist auf die kleine Gruppe zurückzuführen. Griechische oder irgendwelche anderen Bauarbeiter in großen Gruppen könnten damit nicht arbeiten. Sie bräuchten Vokative und Nominative und Akkusative und Imperative und Indikative, um sich verständlich zu machen.

Sprache aber beginnt nicht bei zwei, sondern bei mehreren Sprechern. Ohne ihre Mitgliedschaft bei viel größeren Gruppen hätten die Bauarbeiter nicht die beobachtete Arbeitsteilung. Das zeigt, dass Wittgensteins “primitive” Sprache ein künstlich hergestelltes Fragment einer viel umfänglicheren Sprache und Gesellschaft ist. Denn jedes Fragment setzt das Ganze voraus.

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The construction site next to my mother’s place in Southeast Attica can be annoying if it makes one more Glyfada post-war house give way to a block of flats with oval balconies or any other embarrassing feature of those which the many love today. But I haven’t seen the blueprints, so I don’t know. The noise however, for many a more obvious problem, comes with a profit – at least for me. This is for the following reason: in Greece low labour costs make prefabricated walls and floors financially uninteresting. Everything is being constructed in situ, which means that you have many workers placing planks and beams; workers who, throughout the day, have to say someone else what they need them to do and exclude others from being their addressees. If I want Costas to lift a bit at his end but Nikos to do nothing, probably because Nikos’s lifting would cause some problem, then I have to indicate so. As a result, at Greek construction sites you hear many imperatives and vocatives. “Costa, nail it where it is but watch that Nikos can still pass”. By the way, having extra forms for the vocative of Greek masculine names enables construction workers to address people in the beginning, the end, or in the middle of a sentence. One does not have to put the vocative at the beginning of a sentence. This makes language more flexible, is however far from being my issue here.

Every student of philosophy knows the primitive language game which Wittgenstein introduces in the beginning of his Philosophical Investigations. Two workers – I fancy thinking they work at the site of the house he designed for his sister in Vienna – communicate by giving and receiving the monolectical order “slab!”, meaning that the one needs one to be given or brought to him by the other. This language game that Wittgenstein calls “primitive” does not contain a term for the dictionary’s term “slab”. Unknowingly to the workers themselves, their language game contains an implicit order and a noun that functions as an accusative.

If you only juxtapose the pragmatics of the two construction sites, you easily draw the conclusion that the greater complexity of the Greek game results from the bigger Greek group. This is what necessitates a more elaborate language in terms of cases and also of a formally very clear divide between imperative and indicative at the Greek construction site.

Primitive games in Wittgenstein’s sense are ones between only two agents. This alone shows that a primitive language cannot exist. There is no primitive language because there can be no society that consists only of two. Pairs of people are artificial as much as the language fragment they may use. Their division of labour is due to their membership to much larger groups. “Primitive” language games result from more elaborate societal and linguistic ones.

Pasta ontology

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Gattungsnamen werden in der Sprache meistens wegen des Stoffs ihrer Referenz gebildet. Alles, was mit Eier enthaltendem Nudelteig gemacht und in Wasser gekocht wird, heißt Pasta, ob Spaghetti oder Pappardelle oder Farfalle oder Puntalette oder… Es sind die Zutaten, die bei der Namensgebung von “Pasta” Pate stehen! Wer meint, mir gehe es um Don Corleone, kennt dieses Blog nicht.

Denn es gibt Pasta außerhalb Italiens und Appellativa, die sich nicht auf Stoffliches beziehen.

Der Trachanas war jahrhundertelang die haltbare Substanz der byzantinischen Armeeküche. Die Osmanen haben die byzantinischen sonnengetrockneten Brösel aus in Ziegenmilch gekochtem Weizenmehl adoptiert und nur wenig anders als die Griechen ausgesprochen: Tarhana. Am Ende eines anstrengenden Wandertages brauchte der mittelalterliche vagans, ob Soldat oder Missionar, wenn er nichts anderes gefunden hatte, nur eine halbe Handvoll Trachanas und etwas Wasser für seinen Topf und sein Feuer. Der Trachanas, leicht über längere Distanzen zu tragen und in kleinen Mengen zu großen Suppen zuzubereiten, erhielt einen wochenlang am Leben und blieb, wenn er nicht aufgebraucht war, jahrelang haltbar bis zur nächsten Slawenmission. Aber auch nach den Slawenmissionen erwies sich der Trachanas manch einem Griechen als rettend. In Bonn, in den 90ern, während der griechischen Bankenstreiks, die mein Stipendium monatelang auf der Strecke blieben ließen, wäre es ohne Trachanas eng um meine Existenz geworden. Rafik Schami erwähnt ihn in einem ähnlichen Kontext.

An der mittleren Donau feierte der Trachanas größere Siege als die Konstantinopler Zeloten, ebenso als Istanbuler Janitscharen. Im Spätmittelalter wurde er in Ungarn adoptiert. Bis heute hasst manch ein ungarisches Kind eine gleichnamige oder fast gleichnamige Beilage; was heißt, es hasst Trachanas, wenn die Fast-Gleichnamigkeit als Synonymie oder – da Griechisch und Ungarisch verschiedene Sprachen sind – als Übersetzung gilt.

Vorsicht aber: Das ungarische Tarhonya ist zwar dem griechischen Trachanas und dem türkischen Tarhana zum Verwechseln ähnlich, weist aber keine Spur Ziegenmilch auf. Stattdessen hat es Ei. Mit anderen Worten ist Tarhonya nichts anderes als Pasta: eine Pasta, bei der der ungarische Versuch einzig und allein darin besteht, einem mediterranen Nahrungsmittel äußerlich zu ähneln. Denn lediglich Tarhonyas Form im Rohzustand erinnert – und zwar stark – an das byzantinische Original. Der ungarische Name in Anlehnung an einen mittelgriechischen weist auf eine Form-, keine Materienähnlichkeit hin.

Es ist nicht immer der Stoff, der für den Namen der Gattungsnamen ausschlaggebend ist. Darüber war ich mir schon mal im Leben mit einem anderen Philosophen uneinig. Einem hatte ich gesagt, dass die Farben nicht immer sekundäre Eigenschaften sind. Ich dachte dabei an handelsübliche Farbstoffe. Normalerweise ist es dem Käufer unwichtig, aus was der Farbstoff besteht, wenn die Farbe stimmt. Nein, sagte er, das sei falsch. Farben seien immer sekundäre, Zutaten dagegen primäre Qualitäten. Am Ende jenes Tages habe ich gewusst, dass es nicht klug ist, Recht zu haben, wenn die andere Person der eigene Doktorvater ist.

Jedenfalls ist es im Rigorosum so.

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Very often, the characteristic that determines the reference of an appellative is the material cause: we call pasta whatever consists of dough without yeast with eggs: spaghetti, pappardelle, farfalle, puntalette etc. All of them! Pasta! Because of the ingredients! Basta!

There are exceptions.

For centuries, prior to its arrival in Hungary, trachanas had been the dish par excellence of the East Roman army and afterwards of the Ottoman army. Made of a desiccated goat-milk-and-yoghurt-and-flour dough, it was predestined to stay preserved for years. The only thing the wanderer had to fill in in his saucepan and to place on a fire in the wilderness to get a filling soup, was some water and the trachanas granulate. Trachanas was easy to carry in long distances and kept travellers alive for weeks if necessary. At the middle course of Danube, it celebrated much greater victories than Byzantine missionaries and Ottoman soldiers.

“It” celebrated them, that is, if you happen to accept that the Hungarian “tarhonya” and “trachanas” refer to one and the same thing. However, the Hungarian thing has not any traces of goat milk or any other milk or dairy product. Instead, it contains eggs. In other words, unlike the Greek trachanas and the Turkish tarhana, the Hungarian tarhonya is nothing but pasta meant to have the shape of the Byzantine original. Which means that the meaning of a generic term to comprise these three dishes is the formal, not the material cause.

As one sees, it is not always matter that decides the meaning of appellatives. I argued about this with another philosopher once. He had said that colours are naturally secondary qualities, matter is naturally a primary quality of every thing. I had said (I was thinking of paint) that this is not the case. At the end of this conversation I learned that your oral exam is probably not the best place to argue with your supervisor.

Especially if you are right and he is wrong.

Graecum etsi legitur

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Egal wie man diese Art Gebäude nennt, die Bezeichnung ist ein griechisches Lehnwort. Was eigenartig ist, denn die griechische galt am Ostmittelmeer zu der Zeit, als die Kirchen “kyriaká” (= Herrenhäuser) bzw. “ekklêsíai” (= Versammlungen) benannt wurden, als eine notorisch religionskritische, philosophische Kultur.

Wenn man allerdings an die profane Nachwirkung des Christlichen denkt, in Bereichen wie etwa die Menschenrechte (Bartolomé de las Casas, Francisco de Vitoria) und die Aufklärung (Jean-Jacques Rousseau), ist das Oxymoron einer areligiösen Frömmigkeit, eines athenischen Jerusalem, genau der europäische kulturelle Rahmen.

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Whether you use Germanic or Romanic terms for them, you call churches after Greek loan words. E.g. “kyriaká” (= houses of the Lord, whence the word “church”) or “ekklêsíai” (= assemblies, whence the Romanic terms). And this despite the fact that at the time when these word loans were launched, Greekness was considered to be the most philosophical, indeed an areligious culture of the Mediterranean.

However, one only needs to consider how profane the greatest achievements of Christian thought on the social level are (the human rights after Bartolomé de las Casas and Francisco de Vitoria, the Rousseauist version of the Enlightenment), to realise that the oxymoron of an areligious piety, the Athenian Jerusalem, corresponds to the European context.

Wenn die Zeilen…

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… kurz sind,

dann lassen sie einen vom Paradigmenwechsel träumen, den man sich herbeiwünscht.

Im Kontext kommt allerdings die Ernüchterung.

Paradigmenwechsel hin oder her, bei der idealen Zeilenlänge sollte man die Kirche im Dorf lassen: zehn bis zwölf Wörter! Basta!

Wer also diese Zeilen auf dem Handy liest und zwar so: 📱 , sollte das Gerät 90 Grad nach links oder rechts drehen.

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The reason I stumbled upon this poster was probably the fact that the lines are short and it hyphenated “ecological” to read in the subsequent line “logical”. If you add that the next word is “change” and that I do propagate a paradigm change in logic, meaning that rationality gaps and gluts can occur under certain, nevertheless very rare, circumstances…

…well, then you can figure out why I was irritated.

The ideal line length is ten to twelve words. No paradigm changes there!

So, if you are reading this on your mobile device, well, that’s not the way: 📱