La première et la dernière fois

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Man weiß immer, wann es das erste Mal war. Niemals allerdings, wann es das letzte Mal sein wird, solange futura contingentia betroffen sind.

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We always know when it was the first time. But almost never when it’ll turn out to be the last, as long as the event in question is a future contingent.

The most important titles

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Einen Magister in Geschichte hat er, ferner den Mut zu zeigen gehabt, dass die Liebe wichtiger als Konventionen und die öffentliche Meinung ist; das nordgriechische Kloster liebt er, das ich für das Paradies auf Erden halte, seine Großmutter väterlicherseits war, Höfling hin oder her, bereits eine orthodoxe Nonne.

Ich bin natürlich kein Monarchist geworden. Wenn die staatsmännische Haupttugend allerdings à la Machiavelli darin besteht, einfach da zu sein, dann verkörpert Charles III. bereits jetzt, ohne irgendwas gemacht zu haben, bloß durch seine Existenz, eine Emanzipation, die viele Nichtkonservative nicht zu fordern wagen.

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He is an MA in history, he had the courage to show that love is more important than conventions and publicity, he is fond of the Northern Greek monastery that I believe to be a paradise on Earth. Already his paternal grandmother was an orthodox nun in spite of every protocol.

I didn’t become a monarchist, of course. But if the statesman’s main role is – Machiavellistically – just to exist, to just be there, Charles III already, without doing anything, incorporates an emancipation which many nonconservatives do not dare request for themselves.

Learn your vocab correctly. Today: Don’t confuse evaluation with valuation

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Eine Bewertung ist, solange man mit ihr nicht moralische Werte benotet, automatisch wertefrei. Und sie beinhaltet Zahlen.

Eine Wertung ist ein Werturteil. Das Gegenteil einer Bewertung.

Klarerweise gibt es Lehrer, die an der Schule schlechte Noten hatten. Schlechte Bewertungen. Das ist noch in Ordnung, kein Grund allerdings, immer noch nach Jahrzehnten, “Wertung” und “Bewertung” durcheinanderzubringen.

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An evaluation, as long as it doesn’t grade moral values, is eo ipso value neutral. And it involves numbers.

A valuation is a moral or aesthetic judgment. In a sense, the opposite of an evaluation.

There are teachers who had bad marks at school. That’s OK. Not a reason, however, to confuse “valuation” with “evaluation” after so many decades.

Learn your vocab correctly. Today: utopia

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“Utopisch” heißt nicht, wie Marxens Lektüre manchmal glauben lässt, “Das schaffst du nie”. Es heißt nur: “[Eine sehr schöne Gesellschaftsordnung aus dem] Land Nirgendwo”.

Utopien waren historisch stets schöne Inspirationsquellen für verwirklichte Modelle.

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“Utopian” does not mean “You’ll never achieve this” even if Marx sometimes sounds thus. It rather means “[A very good social institution of] Nowhereland”.

Utopias have historically been very good sources of inspiration for real-world achievements.

Romanticism as ecstasy. The one you buy, not the one your heart gives you.

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Sie ruft an, unsere Ältere, um mir ihre letzte Entdeckung zu zeigen. Es ist Sonntag, 10 Uhr vormittags, ich bin unrasiert und muss feststellen, dass Mortimers Buch vielversprechend klingt. Die Romantik war, um Marx aus einem anderen Kontext zu übertragen, “das Gemüt einer herzlosen Welt”, ohne allerdings die religiösen Allüren. Naja… Nicht ganz ohne. Die Romantik ist eine quasireligiöse Projektion einer vermeintlichen Ekstase auf Menschen, die sich einerseits im marxistischen Sinn prostituieren mussten, andererseits es gern hätten, dass der Teil ihres Lebens ohne Prostitution doch noch dasjenige ist, das zählt.

Mit der verklärenden Funktion der Romantik im Hinterkopf ist es sehr gut, über das echte Leben des georgianischen Zeitalters zu lesen.

Die Erwartung einer Belohnung nach dem Leben ist mit Marx sehr gut verständlich. Ein billiges Opiumersatz fürs Volk. À la Marx lässt Mortimer einen einsehen, dass die Romantik ein Ecstasyersatz für diejenigen war, die ein billiges Leben führen mussten.

Byron kam vor fast genau zwei Jahrhunderten nach Griechenland, um sich unglücklich zu verlieben und schließlich als Verteidiger des revoltierten Missolonghi zu verhungern. Er hat am eigenen Leib gespürt, dass das berechtigende Leben dasjenige ist, das man lebt; nicht dasjenige, dass man gelebt hätte, wenn…

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When our eldest daughter calls me to tell me about her last discovery it’s Sunday, 10 am CET. I’m not shaved. As she describes it to me, Mortimer’s book is a promising read. Romanticism is, to cite Marx in another context: “the heart of a heartless world”, but without the religious element. Not quite… Romanticism is a quasi religious projection of an alleged life that people who prostituted themselves (in Marx’s sense) failed to get.

Bearing this in mind, if you read about what real life was like in Georgian England can be sobering.

You can understand your expectation of an afterworld when you read Marx. A cheap surrogate for opium for simple people who sell themselves. Mortimer would be an author to make one understand romanticism: A cheap surrogate of ecstasy for those who preferred to live a predictable life instead of being really ecstatic.

Byron came to Greece two centuries ago to fall in desperate and unreturned love and to fall – period – in Mesolongi. There at the latest he must have noticed that it’s the life that you live that counts, not the one you would have lived if…

Learn your vocab correctly. Today: “anachronism”

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“Anachronismus” heißt es, wenn ein Ereignis der Vergangenheit unter Einbeziehung späterer historischer Begriffe, nachträglich entdeckter oder erfundener Gegenstände oder Konzepte beschrieben wird.

Die Benutzung von alten Tools, altem Werkzeug, alter Technologie heute ist nicht anachronistisch, sondern altmodisch.

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It’s called “anachronism” if you describe a past event and in the description historical categories or names for objects occur that only emerged or were discovered or invented much later.

Using old concepts, instruments, techniques or technology today is not called “anachronism” but “old-fashioned”.

Wahrnehmung und Erfahrung

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Erfahrung ist das Gemeinsame einer Anzahl von Wahrnehmungen plus Vorkenntnisse. Was das Letzte anbetrifft: Ich gehe davon aus, dass dieser Baum für mich völlig andere Assoziationen hervorruft als für meine Leserschaft.

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You experience the common elements of your perceptions plus your preconceptions. Concerning that last: I take it that this tree bears memories for me that it doesn’t for you.

The summer gave and the summer has taken away

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Noch eine eigene Übersetzung. Es ist Sommer, es ist vorbei. Odysseas Elytis (Literaturnobelpreis 1979), Alles mit dem Sommer hinweggerafft, aus dem Zyklus Die Rhos des Eros (1973):

ALLES MIT DEM SOMMER HINWEGGERAFFT

Alles mit dem Sommer hinweggerafft:

zerzaustes Haar an den Meereswellen;

Termin um eins, uns zu gesellen.

Alles mit dem Sommer hinweggerafft:

die schwarzen Augen, am Hals ein Tuch,

und die Kapelle mit dem Gebetsbuch.

Alles mit dem Sommer hinweggerafft:

die halben Worte, die verschluckten;

die Bootssegel, die missglückten.

In Schaum und Spritzern und Meeresalgen

raffte er alles hinweg und fegte

den Schwur, der im Wind erbebte.

Alles mit dem Sommer hinweggerafft,

auch unsere Hände, einander in Haft.

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One more translation of my own. It’s summer. It’s over. Odysseas Elytis (Nobel prize for literature 1979), The Summer Has Taken It All away, from the poetry collection The Rhos of Eros (1973):

THE SUMMER HAS TAKEN IT ALL AWAY

The summer has taken it all away,

Your windswept hair at the waves of the sea,

Our date at one, you and me.

The summer has taken it all away,

Your black eyes and the scarf to fit,

The little chapel, the candle we lit.

The summer has taken it all away,

Us, hand in hand, going astray.

The summer has taken it all away,

The half words, those which rather faded,

The boat sails, deteriorated.

From the spray of the foam and the algae

It took everything, as it were,

The oaths that trembled in the air.

The summer has taken it all away,

Us, hand in hand, going astray.

Swiss exile

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Die gute Freundin will wissen, wie es mir in meinem “Schweizer Exil” gehe. “Schweizer Exil” klingt in meinen Ohren wie “nordkoreanischer Tourist”. Nicht ganz ein Kategorienfehler, aber fast. Niemand wird in die Schweiz exiliert. Das einzige, mir bekannte historische Gegenbeispiel, Lenin, ist uralt.

Ich sage ihr, dass ich viel schreibe, wenig lese, Waldhimbeeren sammle, lieber wie Johanna Spyris Heidi stundenlang zu Fuß in “die Stadt” laufe, als das “Postauto” zu nehmen.

Letzten Donnerstag benerkte Marta, meine Älteste, dass mein Handy klingelte. “Nicht mein Handy, Marta”, sagte ich, “sondern die Kuhglocken”.

Sehr jung war ich an Lenin interessiert. Den Umstand, dass er ausgerechnet in dem Land exiliert gewesen war, wo der einzige mir bekannte Ausländer Aristoteles Onassis war, hat mich beeindruckt. Onassis mochte auch Glyfada, wo ich aufgewachsen bin. Es gibt Bilder, die ihn zusammen mit Churchill zeigen, wie er auf dem Beiboot Christina, die Yacht, verlässt, um an die Küste zu fahren, wo ich ein paar Jahre später schwimmen sollte.

Während meines Schweizer Exils sendet mir meine Segel-Clique in Glyfada Bilder. Wie unempfindlich die doch sind, meine lieben…

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A good friend wants to know how I get along in my “Swiss exile”. “Swiss exile” sounds in my ears like “North Korean tourist”. Not quite a category mistake but close… No one is exiled in Switzerland. There is one notable historical counter-example to this, however an old one: Lenin.

I want to tell her that I write a lot; read less; collect raspberries in the forest; take rather the hour-long walk from the mountain to the town like Johanna Spyri’s Heidi, instead of taking the bus – the “post car” as locals say.

Last Thursday, during this walk, Marta, my eldest, remarked that my mobile phone was ringing. “It’s not my phone, Marta” I said…

“It’s the cowbells”.

When I was very young, I was interested in Lenin. I thought that it was awkward that, of all places, he had been exiled to a country where the only other foreigner I knew of to spend his time there, was Aristotle Onassis. Onassis was also fond of Glyfada where I grew up. There are pictures of him with Churchill offshore our beach, during yachting.

While I am “exiled” in Switzerland, my Glyfada-based yachting friends send me pictures. More or less from the same spot. How insensitive of them…

Tautology as non fundamental

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Wer “Business is business” als kalt berechnend sarkastisch empfindet, der kann es nicht als tautologisch empfinden. Denn Kälte, Berechnung, Sarkasmus sind Informationen aber Tautologien sind informationsleer.

Es gibt auch andere Beispiele von diesen nicht tautologischen Tautologien. Schönere. “A kiss is a kiss”; “A sigh is a sigh”.

The fundamental things apply.

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If you think that “Business is business” is cold and utilitarian and sarcastic you may spend one thought on the topic that it is, on the face of it, a tautology. But this can’t be, as tautologies are devoid of information. And utilities or sarcasm or cold are pieces of information.

There are many nontautological tautologies. Unlike “Business is business” beautiful ones. “A kiss is a kiss”; “A sigh is a sigh”.

The fundamental things apply.