Knowing how

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Am letzten Tag vor den Ferien blieb die Mensa geschlossen. Bloß an die zehn Mitarbeiter und Freiwillige unterhielten sich bei einem von der Leitung spendierten Brunch. Geschlossene Gesellschaft. Plötzlich erscheint eine Meute Achtzehnjähriger. Ein paar Köpfe wagen sich durch den Türspalt und sagen spielerisch-frech: „Hunger!“

Die Köchin ergreift das Wort. Sie fragt nicht nach Erlaubnis, um das zu tun. Sie spricht mit dem Selbstvertrauen des Menschen, der weiß, was in einer solchen Situation zu tun ist: „Unter oana Voraussetzng“ sagt sie laut und fast mit einem Gelächter in der Stimme „dürft ihr was kriang: Ihr schafft alle ‚zamm‘ die Prüfungen, und wenn ihr reich seids, spendet ihr eure erste Million der Schui. Die zwoate dürft ihr behoit’n“. Die jungen Leute versprechen das.

Es fallen mir auf Anhieb folgende Sachen ein, wenn ich mich frage, was unsere Köchin dabei machte: einen begründeten Anspruch geltend, Humor, Kohäsion in der Gruppe herbeigechafft, für eine Erzählung Jahrzehnte später den Stoff gegeben und bestimmt Vieles mehr. Es ist schwer, alle Sachen zu bennenen, die sie machte.

Wie sie aber all diese Sachen machte, ist etwas, was ich im nachhinein sehr gut erzählen kann: Sie stand auf, sie lächelte usw. Allerdings bin ich nicht in der Lage, nachzumachen, was sie gemacht hat, da ich wie gesagt nicht weiß, was sie alles machte.

Ich vermute, dass die sehr Belesenen unter Euch, liebe Leser, die grundlegende und traditionelle Dichotomie zwischen Know-how und Know-what im Sinne von Stanleys und Williamsons Artikel aus dem Jahr 2001 bezweifeln. Wer aber unsere Köchin kennt, kann diese Dichotomie nur gutheißen. Sie hat ein sehr greifbares Talent, Dinge in Bewegung zu setzen, die unbegreiflich sind. Dieses Talent lässt sich nicht mit diesen Dingen gleichsetzen.

Roger Scruton hat einmal gesagt, die einzige Person am Birkbeck-College, mit der er sich habe unterhalten können, sei die Italienerin von der Kantine gewesen. Ich nehme an, dass er mit dieser Äußerung nur sticheln wollte, jede konservative Südländerin sei weiser als die typischen Linksintellektuellen dieses College. Würde man aber Scrutons Äußerung so verstehen, dass Talent nicht erlernbar ist und vom Wissen nicht abhängt, wäre es auch richtig.

About ten members of the staff and some volunteers are having a brunch on the last day before holidays behind closed doors in the refectory. The management shows gratitude for their loyalty by paying the bill. At once, a pack of eighteen-year-olds shows up. Their heads slip through the partially opened doorway. „We’re hungry!“

Without asking for permission from the management, the cook takes the initiative to give instructions. She knows how to handle the situation: „You can join us, but there is one condition: All of you have to pass the exams and get rich and donate your first million to the school. You can keep the second million which you’ll earn“. The boys and girls promise this.

When I ask myself what our cook did in the few seconds she was talking, then I answer to myself that she demanded something from the students, she made a joke, she made the group of the students more cohesive, she gave the basis for a story which these students will tell after decades and many, many other things. It’s difficult to name everything she did.

How she did all these things is something, however, which I can perfectly well summarize: She stood up, she smiled etc. But I cannot imitate her because, as I just said, it’s difficult to say what she did.

Some very well informed readers of this blog might doubt whether there’s an essential difference between knowing how to do things and knowing what to do – following in this Stanley’s und Williamson’s article from the year 2001. But if they knew our cook they would plead for the dichotomy between know-how and know-what. Our cook has a very tangible talent to make unimaginable things happen. Her tangible talent is not the equivalent of these uncountable things.

Roger Scruton said once that the Italian woman in the refectory was the only person at Birkbeck who he was talking with in his spare time. I suppose that this was a poisonous remark to the effect of saying that any conservative from the south is a much wiser person than the typical liberals of this London college. But if Scruton’s remark is understood to say that talents are not a subject to learn and independent from the true propositions which form one’s education, it would also be true.

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