Scroll for English after this hermetic German: Ob wir aber über…

…Kultur und Selbstreferenz, oder aber über Philosophie in der Schule, oder aber über Molinismus, oder aber über Panentheismus reden, ist Hans Burkhardts Oberseminar immer noch am Leben, immer noch nahe Ober- und Unterammergau.

Dr. Ralph Cahn, Dr. Benjamin Andrae, Prof. Dr. Christoph Jäger, Dr. Ruben Schneider hielten die entsprechenden Vorträge respektive, Pater Raphael, unser Gastgeber in der Benediktinerabtei, hat uns vor Augen geführt, wofür all das, wenn überhaupt, gut ist; Ulrich Staudinger, der Philosophia-Verleger, hat Skeptizismus verbreitet; PD Dr. Dr. Christina Schneider und meine Wenigkeit haben organisiert.


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It was a great honour to listen to what Christoph Jäger had to say on John Martin Fischer’s thoughts on Molinism. It felt like family to listen to what Ralph Cahn has to say on self-referential pop-culture. Benjamin Andrae spread optimism with his thoughts on philosophy as a subject in high school. Ruben Schneider dissolved panentheism. Father Raphael, our Benedictine host at the Ettal Abbey in the Bavarian Alps, commented in a dedicated and unconventional manner. Ulrich Staudinger, the publisher and owner of Philosophia Verlag, took a critical stance. Christina Schneider and myself organised things.

Hans Burkhardt’s seminar is still there.

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Ettal Winter 2016

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Vergangenen Samstag fand das Ettaler Oberseminar statt, zum ersten Mal ohne Hans Burkhardt, seinen Initiator vor vielen Jahren und patrem nostrum omnium. Christina Schneider (LMU und Hochschule für Philosophie) und ich übernahmen die Leitung und wir haben vor, zweimal im Jahr dort zu tagen. Für diese Sitzung hatte sie Ludwig Jaskolla (Hochschule für Philosophie) mit einem Vortrag über „Das dynamische Selbst“ eingeladen. Jörg Noller (LMU) war mein Gast und er trug über „Personale Lebensformen“ vor. Sein Untertitel lautete: „Zur Identität von Personen jenseits von Animalismus, Bewusstseins- und Konstitutionstheorie“. Beide Vortragenden sind untereinander bekannt, sie arbeiten beide über das Thema personale Identität und verfechten in ihren Habilitationsprojekten eine Abkehr vom Substanzialismus.

Ich habe mich bisher sehr wenig mit der zeitgenössischen Debatte zum hard problem beschäftigt, aber dieses Wenig zusammen mit meiner mittelalterlichen Lektüre sowie meiner eigenen Introspektion als Person – was ich jetzt beinahe vergessen hätte 🙂 – lassen mich vielleicht auf etwas altmodische Weise glauben, dass das Bewusstsein eines jeden auf der Selbstbezüglichkeit einer Substanz fußt. Nun haben beide, Noller und Jaskolla, sympathische antisubstanzialistische Ansätze zu bieten, mit denen selbst der Substanzialist leben kann. Noller meint, dass es die Lebensform ist, was ein Wesen als eine und zwar diese Person auszeichnet. Jaskolla meint, dass Nollers Lebensform als Kriterium des Personenseins nicht ausreicht, um Probleme wie Parfits Gedankenexperiment der Duplikation von Personen auf Molekularebene plausibel zu interpretieren. Ich glaube allerdings, dass das parfitsche Gedankenexperiment kein großes Problem für Nollers Argument darstellt. Fragen wir vielleicht eine Mutter vor der Herzoperation ihres Kindes, ob sie lieber das parfitsche Original als ihr Kind ansieht, oder lieber das parfitsche Duplikat mit geflicktem Herzen. Was sieht sie als ihr Kind an? Natürlich das Original und zwar aus Gründen der Kausalität: Sie hatte das Original und nicht das parfitsche Duplikat im Bauch. Das Duplikat ist eine andere Person.

Auch an dieser Stelle möchte ich betonen, wie froh und dankbar wir sind, dass wir in den Personen des Ettaler Abtes, P. Barnabas Bögle OSB, sowie P. Raphael Muhrs zwei Fachkollegen gefunden haben – sie haben beide Philosophie studiert – die ihre Gastfreundschaft als eine selbstverständliche Benediktinerpflicht gegenüber der Wissenschaft verstehen.

Außerdem bin ich Christina Schneider für ihre Bemühungen dankbar, die uns allen die Fahrt nach Ettal ermöglichten. Damit nicht genug bin ich ihr dankbar, weil sie während der Diskussion meinen Standpunkt zu Privation und mehrwertiger Logik verteidigte. Ohne sie wäre mein Argument zur Privation mangelhaft geblieben und ein mangelhaftes Argument zur Privation lehrt uns nichts über die Privation, sondern es ist bestenfalls ein gutes Beispiel einer Privation.

Im Anschluss erreichte mich eine Email von Christina. Unter anderem fragt sie mich, warum sich Logiker immer streiten müssen. Das weiß ich nicht, dadurch komme ich aber auf meinen letzten Dank für heute: Danke an die Diskutanten! Ohne sie hätten wir gar nicht streiten können. Und wir wissen ja: Es war oft der schöne Streit über Begriffe, der am nächsten Tag fruchtbar für unser Schreiben war, die Eintracht, die dagegen furchtbare Resultate hervorbrachte.

Vielleicht ist das die richtige Antwort auf die gestellte Frage.

Ettal Empfangsraum

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The Ettal master class took place last Saturday – for the first time without Hans Burkhardt, the man who initiated it back in 1997 as his – back then – Murnau master class. From now on, Christina Schneider (LMU Munich and Hochschule für Philosophie) and myself will be organizing this twice a year. This time Christina invited Ludwig Jaskolla (Hochschule für Philosophie) for a talk on „The Dynamic Self“. My guest was Jörg Noller (LMU Munich) who presented a paper on personhood as a form of life. Life form is Noller’s alternative to moral approaches to personhood (e.g. the animal-rights debate), further to consciousness-focussed theories and the personhood-as-a-construct debate. The two guests know each other and have similar views on personhood.

My only expertise in personhood is based, I suppose, on the bare fact that I am a person myself and this experience makes me propagate the view that my personhood stems from a substance: my substance. This is as old-fashioned as it can be and is probably backed by the fact that I’ve read only the basics of the contemporary hard-problem literature and many many medieval sources on personhood. Nevertheless, I found Noller’s and Jaskolla’s modern stories interesting. Noller thinks that X is a person if and only if X conducts a certain form of life. Jaskolla thinks that Noller’s form of life is not sufficient to form a criterion of personhood and, in Ettal, he pointed to Parfit’s thought experiment of teletransportation in this context. For myself, I think that the importance of Parfit’s thought experiment is overestimated. If we ask a mother who hears that her child has to go through a heart operation whether the original or Parfit’s duplicate with a mended heart would be her child, her answer would be that the only person of the two who is her child is the ill one. Causality would be her criterion for this: the ill child is the one she had in her womb.

Anyway, today I want to express my gratitude to the abbot of the Ettal monastery, father Barnabas Bögle OSB, as well as to father Raphael Muhr, both philosophers, for what they called their typical Benedictine hospitality towards letters and science.

And my gratitude goes also to Christina Schneider who did so much to enable the continuation of Hans’s master class. And, of course, I want to thank her again for defending and completing my argument on privation and multivalued logic. You see, an incomplete argument on privation is not something that teaches us much about privation but, rather, a case of privation. Thanx!

Christina asked me after the event why it is that logicians always have an argument – in the colloquial sense of „argument“ of course. Well, I don’t believe that the colloquial sense of „argument“ is really different from the technical one. And since the dispute got heated only during the questions, this is an important reason to say thanks to all participants – really tough dialecticians who enjoyed and made me enjoy discussion last Saturday.

Fest

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Es ist also fest. Am 30. Januar 2016 wird es zum ersten Mal ohne Hans Burkhardt stattfinden, das Oberseminar, das vor einer gefühlten Ewigkeit in Murnau begann.

Wie seit Jahren üblich wird es in der Benediktinerabtei Ettal stattfinden. Christina Schneider und ich treten in die Rolle der Veranstalter. Die Schnittstelle von Ontologie und Logik bzw. Logikgeschichte wird wie gewohnt angesprochen werden. Die Vortragenden werden eine interuniversitäre Gruppe sein: LMU, Hochschule für Philosophie München, Uni Erfurt. Offiziel handelt es sich um eine Lehrveranstaltung der LMU.

Die Teilnehmerliste ist für jetzt voll. Wer allerdings im Sommer ein Projekt zu Ontologie in ihrem Zusammenhang mit der Ethik präsentieren möchte, sollte uns schon jetzt kontaktieren. Barocke Empfangsräume sind nie zu groß.

Derselbe Schnee wird mehr oder weniger bis Januar dort liegen. An sonnigen Tagen wird etwas davon wegschmelzen, bevor Neuschnee runterkommt. Es verhält sich damit wie mit unseren Projekten, mit unseren Leben, mit unseren Freunden.

Ettaler Parkplatz

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It’s fixed: Hans Burkhardt’s master class  that started in Murnau some millions of years ago will meet on January 30, 2016 for the first time without its founder. 

For years now, it has been taking place in the Benedictine abbey of Ettal – and this is where it will take place again. Christina Schneider and myself are the organisers. The interface between ontology, logic and its history will be discussed again. The speakers will be from several universities: LMU Munich, Hochschule für Philosophie Munich, University of Erfurt. Officially it’s an LMU course. 

The list is closed for now. However, if you want to present a project next summer, this time on ontology and ethics, contact us now. The baroque reception of the abbey is small.

There’ll still be snow in Ettal in January, I suppose. The same quantity plus-or-minus something: sunny days make some melt, on the next day there’s new snow coming. Snow in the Alps is like our projects, our lives, our friends: something’s always left behind, something’s always coming.