Ignoratio elenchi and Totis Phylakouris

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Fußball habe ich immer gern gesehen, allerdings niemals in einem Verein gespielt. Stattdessen spielte ich Wasserhandball. Obwohl ich nun stets Panathinaikos unterstützte – meine Mutter war hier einflussreicher als mein Vater, der mit AEK Athen sympathisierte – spielte ich Wasserhandball für ANO Glyphada.

Glyphada hatte ein sehr renommiertes Wasserhandball-Team, das gelegentlich griechischer Meister wurde und viel besser war als die entsprechende Abteilung von Panathinaikos. Abgesehen davon war mir der Gedanke, irgendwann mit Glyphada gegen Panathinaikos zu spielen, zuwider. Keine Sympathie für die Wasserhandball-Team von Panathinaikos war der Grund dafür. Eher meine Sympathie für die Fußballmannschaft von Panathinaikos.

Wenn ein Jugendlicher im Griechenland der 80er und der 90er Jahre ein Anhänger von Panathinaikos war, dann war das wahrscheinlich direkt oder indirekt durch das sogenannte „Wembley-Epos“ bedingt, das heute vor genau 44 Jahren stattfand, als Panathinaikos im Finale der Europapokals der Landesmeister gegen Ajax Amsterdam spielte – der heutige entsprechende Wettbewerb heißt „Champions League“.

Es war der erste Europapokal für die legendäre Mannschaft mit Johan Cruyff und Arie Haan, die Panathinaikos mit zwei zu null bezwang.

Trotzdem ein großer Erfolg für das Team aus meiner Heimatstadt – was stets mein Argument gegen meine Wasserhandball-Mitspieler war, die ihre Überraschung äußerten, wie ich denn Panathinaikos unterstützte, nachdem ich durch und durch ein Glyphada-Boy war: dort im Verein, dort zur Schule, geschweige denn wohnhaft. Denn es war ein großer Erfolg, das Finale des Jahres 1971 zu erreichen und dann das Halbfinale in zwei weiteren Fällen: 1985 und 1996.

Sie konterten natürlich:

– Es ist doch weltweit bekannt, dass die Obristen-Junta die Jugoslawen bestochen hatte, damit Panathinaikos den Roten Stern Belgrad im Halbfinale des Jahres 1971 bezwingt.

– Ach was… Gerüchte!

Eines Abends trank ich Bier mit ein paar Freunden in „Sussex Inn“, einer unter Touristen sehr beliebten Kneipe in Glyphada. Jemand wunderte sich: „Das ist doch Totis Phylakouris, oder?“ Er war’s, also haben wir ihn zu einem Bier eingeladen.

Totis war der Spieler mit der Nummer acht auf dem Rücken im legendären Spiel gegen Ajax Amsterdam. Trotzdem war es keine gute Idee, ihn zum Bier einzuladen, denn nach ein paar Gläsern kündigte er an, das Halbfinale-Rückspiel gegen die Belgrader sei „kein Fairplay gewesen“.

Meine Freunde, die keine Panathinaikos-Anhänger waren, freuten sich. Ich nehme an, dass diese Gefühle auch von griechischen Lesern dieses Blogs geteilt werden, die nicht meine Fußballklubpräferenzen haben.

Allerdings sind meine Leser Philosophen. Und Philosophen sollten wissen: die Tatsache – sollte es überhaupt eine Tatsache sein – dass die Obristen Tito bestachen, damit der Rote Stern verliert, annuliert nicht die Errungenschaft von verschiedenen Mannschaften des Klubs, ganze drei Mal an einem Champions-League-Halbfinale teilgenommen zu haben.

Glauben machen zu wollen, dass die – angenommen – unfaire Teilnahme von Panathinaikos am Finale des Jahres 1971 die Teilnahmen an drei Halbfinalen vergessen machen würde, ist ignoratio elenchi.

Ignoratio elenchi ist ein Fehlschluss, der im Englischen „red herring“ heißt. Die Übereinstimmung der englischen Bezeichnung mit der Vereinsfarbe des Roten Stern Belgrad und von Ajax Amsterdam ist rein zufällig.

Nach dem englischen Text folgt etwas für Nostalgiker: das volle Video des Spiels!

ENOUGH WITH SCROLLING

Although I always liked football, I never played it in a club. I played water polo instead. And although I was a supporter of Panathinaikos – my mother being here more influential than my father who was an AEK Athens fan – I played water polo for ANO Glyphada.

Glyphada was a prestigious club in water polo: At times more prestigious than the water polo section of Panathinaikos and, indeed, a Greek champion in some cases. However, I didn’t like the idea of playing against Panathinaikos in some match. The reason wasn’t my sympathy for the Panathinaikos water polo team. It was rather my sympathy for the Panathinaikos football team.

The sympathy of a teenager in the eighties for the Panathinaikos football team originated at first in the so-called „Wembley epic“. It was 44 years ago today when this took place. Panathinaikos played at the European champions‘ final (today we would call it the Champions‘ League final) against Ajax Amsterdam.

It was the first European cup for the legendary Ajax team with Johan Cruyff and Arie Haan. Panathinaikos lost by two to nil. It was still a great success to reach the final, of course, and this was always my argument towards my co-players who expressed their surprise for my being still a Panathinaikos supporter despite so many years in Glyphada – playing water polo there, living there, going to school there. It was a great success to reach the 1971 final and the semi-finals in two cases: 1985 and 1996.

And, of course, their counter-argument was:

– But it’s known around the globe that the junta of the colonels bribed the Yugoslavs to make Panathinaikos beat Red Star Belgrade in the 1971 semi-finals.

– Rumours, rumours.

One evening, we, some friends and I, were drinking our beers – it must have been in the late nineties – at „Sussex Inn“: a Glyphada pub very popular among tourists. Someone said: „Isn’t this Totis Phylakouris“? That was him indeed, so we invited him for a beer.

Totis had been the player with the number eight on the back in the big game. And we shouldn’t have been paying him beers at this evening because after some beers he announced that the second leg against Red Star „hadn’t been fair play“.

The friends who weren’t supporters of Panathinaikos rejoiced as much as those Greeks among my readers who don’t like Panathinaikos will rejoice.

But my readers are philosophers. And philosophers should know: The fact – if it is a fact – that the colonels bribed Tito to make Red Star Belgrade lose in the semi-final does not annule the fact that Panathinaikos was three times in Champions League semi-finals. Pretending that the faulty participation of the team in the 1971 final makes the participations in three semi-finals forgotten is ignoratio elenchi.

Ignoratio elenchi is a fallacy which is called „red herring“ in English. The resemblance of the English name with the colour of Red Star Belgrade and Ajax Amsterdam is coincidental.

For the end I have something for nostalgics: the full video of the match!

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